Nimm doch einen Regenschirm

Leadership Personal Branding
von Armin Bonelli · 30. April 2020 · Lesezeit 7 min

Wer vorangeht, muss für die anderen sichtbar sein. Das klingt banal, wird aber nur von wenigen CEOs und Führungskräften gelebt. Viele scheuen sich davor, exponiert und angreifbar zu sein. Dabei ist Sichtbarkeit eine der wichtigsten Komponenten im Leadership.






Inhalt


Wie meine Schwester zu einem Regenschirm kam
Führungskräfte müssen heute sichtbar sein
Sichtbare Führung: Beispiele aus der Praxis
Tipp: So werden Sie als Führungskraft sichtbar

Wie meine Schwester zu einem Regenschirm kam


Während ihrer Ausbildung arbeitete meine Schwester als Fremdenführerin in Wien. Sie führte Touristengruppen nach Schönbrunn und zu anderen Sehenswürdigkeiten. Da sie mehrere Sprachen sprach und sich in Wien gut auskannte, machte ihr diese Tätigkeit viel Spaß.

Es gab nur ein Problem. Mit ihrer Größe von 1,65 Meter war sie in der Menschenmenge nicht gut zu sehen, und so kam es vor, dass immer wieder Mitglieder der Reisegruppe verloren gingen oder irrtümlich einer anderen Gruppe nachliefen. Es kostete stets viel Zeit und Mühe, alle Personen auf ihrem Weg durch die Stadt zusammenzuhalten.

Andere Tour-Guides hatten ein Schild mit dem Namen des Reiseveranstalters oder der Nummer der Tour. Dieses Schild ragte deutlich über die Köpfe der Menschen hinaus und die Touristen konnten gut sehen, wo es hingeht.

„Nimm doch einfach einen bunten Regenschirm“, riet ihr eine Kollegin. So kaufte meine Schwester am nächsten Morgen einen roten Regenschirm. Wie jeden Tag ging sie voraus. Diesmal war sie dank des roten Regenschirms für alle gut zu sehen, und besonders jene Teilnehmer, die sich dazwischen verlaufen hatten, fanden schnell wieder zur Gruppe zurück. An diesem Tag kam meine Schwester mit ihrer Tour vollzählig und ohne Verzögerungen ans Ziel.

Führungskräfte müssen heute sichtbar sein


Als Führungskraft haben Sie eine ähnliche Aufgabe wie ein Tour-Guide. Sie gehen vorne an der Spitze und geben die Richtung vor. Die Zeit bürokratischen Managements mit seinen langen Berichtketten und intransparenten Entscheidungswegen ist vorbei. Sie sind als Führungskraft mit Ihrer Persönlichkeit, Ihrem Wertesystem und ihrem Führungsstil sichtbar, exponiert und auch angreifbar. Ihre Entscheidung ist es, ob Sie Ihre Sichtbarkeit selbst steuern oder aber dem Zufall überlassen. Sie sind jedenfalls kein Teil der Gruppe, denn Sie gehen vorneweg und führen sie an. Wer in dieser Verantwortung steht, muss sichtbar sein, sowohl für Ihre Gruppe, als auch für andere.

Schulz und Gianella sprechen im Buch „Wenn Turnschuhe nichts bringen – Der CEO-Code für starke Führungskräfte“ davon, dass Führungskräfte gut sichtbar sein müssen, wenn sie Menschen führen. Sichtbarkeit bedeutet dabei nicht, marktschreierisch oder selbstdarstellerisch aufzutreten. „Wer sich nicht als Person zu erkennen gibt, wird von den Algorithmen des Digitalen gnadenlos in den Mainstream eingespeist.“

Im Buch „Chefsache Management 4.0: Wie sich Führung verändern wird“ schreibt Falk Al-Omary „Der Manager von morgen wird seine Kommunikationsstrategie in Richtung der eigenen Vorgesetzten grundlegend anpassen müssen. Um dies zu realisieren, braucht er parallel eine Kommunikationsstrategie in Richtung des eigenen Teams, also bezogen auf die eigenen Mitarbeiter. Damit nicht genug, muss diese Führungskraft auch eine Rolle nach außen entwickeln. Darunter wird die Wahrnehmung innerhalb des Unternehmens – über Abteilungen hinweg – verstanden, aber auch die Art der Sichtbarkeit und Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit.“

Sichtbare Führung: Beispiele aus der Praxis


Larry Page, Gründer und ehemaliger CEO von Google, sprach jeden Freitag in der Aula des Google Headquarters zu allen Mitarbeitern, den „Googlers“. Dieses All-Hands-Meeting nannte sich TGIF und wurde auch als Live-Stream übertragen. Nach Larry Pages Abgang wurde das traditionelle Format im Jahr 2019 beendet.

Oliver Bäte, Vorstandschef der Allianz-Versicherung, ist als einziger CEO eines DAX-Unternehmens auf Instagram aktiv. Dort will er junge Leute, Millenials und Frauen erreichen. „Gegenwärtig befinde ich mich noch in der Phase des Ausprobierens.“ Auch das ist für CEOs erlaubt. Zur Zeit hat er knapp 5.000 Follower.

Der CEO hinter der Schweizer Marke Strellson, Reiner Pichler, tritt stets elegant gekleidet in eigenen Produkten auf und ist damit erster Markenbotschafter des Unternehmens. Er verkörpert selbst den Lifestyle des Strellson-Kunden und vertritt glaubhaft die Kernwerte der Marke.

Jasmin Dolati leitet den Sender Radio Wien. Sie hat aus dem Sender einen urbanen Mix aus Unterhaltung, Information und Service gemacht. Die von ihr ins Leben gerufenen Veranstaltungen und Talkshows moderiert sie zum Teil persönlich und repräsentiert als Person den Lifestyle und die Werte des Senders.

Tipp: So werden Sie als Führungskraft sichtbar


Finden Sie Ihren eigenen Regenschirm, um sichtbar zu werden. Er muss zu Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Führungsstil passen, andernfalls werden Sie unglaubwürdig. Halten Sie Ihre Prinzipien und Ihre Vision für alle sichtbar hoch. Nicht alle werden Ihr Engagement gutheißen. Es gehört zu Ihrem Weg, Kritiker auf den Plan zu rufen. Lassen Sie sich davon nicht irritieren.



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